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Heilpraktiker für Ergotherapie

Gestärkte Rechtsposition, mehr Autonomie: Die sektorale Erlaubnis öffnet Ergotherapeuten den Weg zum Direktzugang.

Heilpraktiker für Ergotherapie - Eigenverantwortliche Behandlung

Was ist der sektorale Heilpraktiker für Ergotherapie?

Eine fundierte Einordnung: Definition, rechtlicher Rahmen und die Bedeutung für den Berufsstand.

Definition

Der "Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Ergotherapie" (sektoraler Heilpraktiker) ist eine berufsrechtliche Zusatzqualifikation für staatlich anerkannte Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten. Sie erlaubt die eigenverantwortliche Ausübung der Heilkunde – sprich Diagnostik und Therapie ohne ärztliche Verordnung – jedoch strikt begrenzt auf den Bereich der Ergotherapie.

Es handelt sich also nicht um einen "kleinen Arzt" oder "Voll-Heilpraktiker", sondern um die Befugnis, die erlernten ergotherapeutischen Kompetenzen eigenständig anzuwenden.

Rechtliche Grundlagen & Meilensteine

Die rechtliche Basis bildet das Heilpraktikergesetz (HeilprG) in Verbindung mit der Rechtsprechung. Während für Physiotherapeuten der Weg bereits 2009 durch ein Grundsatzurteil geebnet wurde, herrschte für Ergotherapeuten lange Unsicherheit.

Der Durchbruch (2023): Mit dem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) vom 01.11.2023 wurde die grundsätzliche Möglichkeit der sektoralen Erlaubnis für Ergotherapeuten höchstrichterlich bestätigt. Dies stärkt die Rechtsposition enorm und gibt Gesundheitsämtern eine klare Orientierung.

Abgrenzung: Wer darf was?

  • Ärzt:innen: Umfassende Heilkunde, medikamentöse Therapie, invasive Eingriffe.
  • Voll-Heilpraktiker: Umfassende Heilkunde (außer Zahnheilkunde/Geburtshilfe), inklusive invasiver Methoden (Spritzen) und alternativer Verfahren.
  • Ergotherapeuten (ohne HP): Weisungsgebundene Therapie nach ärztlicher Verordnung (Rezept). Keine eigene Diagnosestellung.
  • Sektoraler HP Ergotherapie: Eigenständige Diagnostik und Therapie (Direktzugang), aber ausschließlich mit ergotherapeutischen Mitteln (z.B. funktionelle Behandlung, ADL-Training, Schienenversorgung). Keine Medikamente, keine invasiven Eingriffe, keine Manipulationen (Osteopathie).

Warum ist eine Erlaubnis notwendig? (Methoden & Gefahren)

Der Gesetzgeber verlangt die Heilpraktikererlaubnis zum Schutz der Patienten. Auch Ergotherapie ist "gefahrengeneigt". Wer ohne ärztliche Vorschaltung behandelt, muss in der Lage sein, Risiken selbstständig zu erkennen ("Red Flags").

Typische Gefahrenbereiche in der Ergotherapie:

  • Neurologie: Erkennen eines erneuten Schlaganfalls (Rezidiv) oder Hirndruckzeichens.
  • Schienenbau: Vermeidung von Druckstellen, Nervenschädigungen oder Durchblutungsstörungen.
  • Psychiatrie: Erkennen von akuter Suizidalität oder psychischer Dekompensation.
  • Pädiatrie: Unterscheidung zwischen "normaler" Entwicklungsverzögerung und pathologischen Prozessen (z.B. Hirntumor).

Die Fortbildung zum HP Ergo vermittelt genau diese diagnostische Kompetenz zur Gefahrenabwehr.

Was bringt mir die sektorale Erlaubnis?

Die Qualifikation eröffnet neue berufliche Perspektiven und stärkt die Autonomie im Praxisalltag.

1. Direktzugang (First Contact)

Du darfst Patienten ohne ärztliche Verordnung annehmen. Das ist besonders wertvoll bei akuten Problemen (z.B. Schmerz, ADL-Einschränkung), wo lange Wartezeiten auf Arzttermine die Chronifizierung fördern würden.

2. Gestärkte Rechtsposition

Durch die aktuelle Rechtsprechung (BVerwG 2023) ist der Weg zum sektoralen Heilpraktiker für Ergotherapeuten so sicher wie nie zuvor. Nutze diese Klarheit für Deine berufliche Weiterentwicklung.

3. Therapiefreiheit

Befreie Dich von den starren Vorgaben des Heilmittelkatalogs. Als HP Ergo entscheidest Du gemeinsam mit dem Patienten über Frequenz und Dauer der Behandlung – orientiert rein am therapeutischen Bedarf.

4. Wirtschaftliche Chancen

Erschließe den Selbstzahlermarkt rechtssicher. Heilkundliche Leistungen sind in der Regel von der Umsatzsteuer befreit (Abklärung mit Steuerberater empfohlen) und können nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH) abgerechnet werden.

5. Diagnostische Kompetenz

Erweitere Deinen Blickwinkel. Du lernst, Symptome differentialdiagnostisch einzuordnen und "Red Flags" sicher zu erkennen. Das macht Dich zu einem noch kompetenteren Ansprechpartner – auch für Ärzte.

6. Berufliche Aufwertung

Vom Weisungsempfänger zum eigenverantwortlichen Therapeuten: Der HP-Status ist ein sichtbares Zeichen Deiner Qualifikation und stärkt das Vertrauen von Patienten und Netzwerkpartnern.

Bereit für den nächsten Schritt?

Nutze die neuen Möglichkeiten für Ergotherapeuten. Mit unserer Fortbildung bereiten wir Dich gezielt auf die Überprüfung beim Gesundheitsamt vor – inklusive aller ergotherapie-spezifischen Inhalte.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information. Die Erteilung der Erlaubnis obliegt dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt. Wir unterstützen Dich bestmöglich, können aber keine Garantie für Verwaltungsentscheidungen übernehmen.